5 Fragen zu ERP-Software 2019

Inhaltsverzeichnis

Interview mit Dirk Bingler – Sprecher der Geschäftsführung der GUS Deutschland GmbH

1. Wie wichtig sind agile Software-Architekturen für Unternehmenssoftware?

Software-Architekturen sind das Ergebnis agiler Entwicklungsprozesse, bei denen sich die Struktur einer Lösung im Laufe der Zeit an neue Anforderungen anpasst und entsprechend mitwächst. Diese Entwicklungsprozesse, wie zum Beispiel Scrum, sind mittlerweile weitverbreitet. Das gilt unter anderem auch für agile ERP-Einführungsmethoden. Dennoch: Bei der (Weiter-)Entwicklung von Unternehmenssoftware fängt man selten auf der „grünen Wiese“ an. Oft ist es aufgrund der technischen Gegebenheiten und der Größe und Komplexität der ERP-Lösung daher gar nicht möglich, signifikanten Einfluss auf die Architektur der Unternehmenssoftware zu nehmen.

Dirk Bingler

2. Inwieweit wird die Unterstützung von digitalen Ökosystemen in Unternehmenssoftware zum Standard?

Mit der zunehmenden Digitalisierung und der weltweiten Vernetzung von Systemen und Abläufen wächst die Komplexität der Geschäftsbeziehungen. Unternehmen suchen sich Partner, mit denen sie für gewisse Aufgaben und Projekte zusammenarbeiten. Zum Teil auf Dauer, manchmal aber auch nur temporär. Um diese Zusammenarbeit zu ermöglichen, müssen ERP-Systeme einerseits die Möglichkeit bieten, Daten sicher und flexibel auszutauschen. Auf der anderen Seite gilt es, betriebswirtschaftliche Standardsoftware so zu konzipieren, dass sie sich bei Bedarf um zusätzliche Dienste aus der Cloud erweitern lässt. In der digitalen Welt von morgen haben starre monolithische ERP-Systeme daher kaum noch Chancen am Markt.

Dirk Bingler

3. Wie wird sich in Zukunft die Datenverarbeitung hin zu einer smarten Datenverarbeitung verändern, so dass diese der neuen Flut an Daten gerecht wird?

ERP-Systeme sind heute bereits in der Lage, große Mengen an strukturierten Informationen zu speichern, zu verarbeiten und diese in bestehende Abläufe einzubinden. Doch mit der zunehmenden Digitalisierung kommen immer mehr unstrukturierte Daten hinzu – ob Kundenfeedback über einen Social Media-Kanal oder Maschinen- und Sensordaten aus der Produktion. Sinnvoll verarbeiten lassen sich diese Datenmengen nur durch das flexible Einbinden zusätzlicher Rechen- und Speicherleistung aus der Cloud. Zum Beispiel kann so für das Trainieren von KI-Modellen kurzzeitig Rechenleistung zu-, aber auch wieder abgeschaltet werden.

Dirk Bingler

4. Wie lange wird es noch dauern, bis Lösungen für Künstliche Intelligenz in Unternehmenssoftware flächendeckend angeboten werden?

KI ist kein Programm, das sich auf Knopfdruck implementieren lässt. Grundsätzlich gilt: Je komplexer die Aufgaben, die eine KI bewerkstelligen soll, desto höher sind auch die Anforderungen an Datenmenge, -qualität und Lernprozess. Heutige Standard-KI-Systeme können daher nur sehr generische Aufgaben bewerkstelligen, wie beispielsweise die automatische Verbuchung von Eingangsrechnungen oder die Klassifizierung von Bildern. Komplexere KI-Anwendungen helfen heute unter anderem dabei, die Genauigkeit von Absatzprognosen zu erhöhen. „Echte“ KI-Systeme, die beispielsweise betriebswirtschaftliche Zusammenhänge verstehen und deshalb eigenständig komplexere Unternehmensprozesse abwickeln, stehen jedoch noch ganz am Anfang. Ganz zu schweigen von selbststeuernden ERP-Systemen. Von solchen Lösungen sind wir aus heutiger Sicht noch Jahre entfernt.

Dirk Bingler

5. Wird Robotic Process Automation künftig eine Standard-Funktion in Unternehmenssoftware sein?

Softwareroboter sind heute bereits in der Lage, menschliche Interaktionen mit Benutzerschnittstellen von Softwaresystemen nachzuahmen. In der Praxis bedeutet das, dass sich die Dateneingabe in ein ERP-System oder sogar das Ausführen eines gesamten Geschäftsprozesses durch einen Softwareroboter abbilden lässt. Eine Middleware zur Kopplung von verschiedenen Systemen ist damit nicht mehr nötig. Und da die Verbindung über das User Interface stattfindet, ist der Aufwand für die Entwicklung entsprechender Schnittstellen deutlich geringer. Aber: Die eingesetzten Softwareroboter müssen dafür über eine äußerst hohe „Intelligenz“ verfügen. Während sich Bots heute bereits für einfache Aufgaben, wie die Beantwortung von Kundenanfragen, im Standard abbilden lassen, werden komplexe Robotic Process Automation Systeme (RPA), die Prozesse gemäß ihren Anweisungen vollständig alleine abwickeln können, wahrscheinlich eher eine eigene Disziplin bleiben.

Dirk Bingler

Diesen Beitrag teilen

Share on facebook
Share on twitter
Share on xing
Share on linkedin

Ihr Medienkontakt

Ivan Panayotov
Josef-Lammerting-Allee 20-22
50933 Köln
+49 221 37659-333
ivan.panayotov@gus-group.com

Unsere Softwarelösungen

Unser Software-Portfolio unterstützt den gesamten Geschäftszyklus – von Enterprise Ressource Planning (ERP), Lieferkettensteuerung (SCM), Vertriebssteuerung und Geomarketing über Pflege der Kundenbeziehungen (CRM), Labor-Informations-Management (LIMS) und Qualitätsmanagement bis hin zu Finance/Controlling, Business Intelligence und Dokumentenmanagement.

Unsere Branchenlösungen

Wir bieten hochspezialisierte Branchenlösungen für die Prozessindustrie, die Milchindustrie und den LEH und Großhandel. Auch für Labore und Kontrollbehörden bieten wir Ihnen spezialisierte Anwendungen. Branchenübergreifende Softwarelösungen bieten wir für Finance und Controlling, Geomarketing, Logistik und das Personalwesen.

Neueste Pressemitteilungen

GUS-OS Suite automatisiert die Kennzeichnung von Lebensmitteln

Die Lebensmittelinformationsverordnung der EU fordert und regelt ausreichend gekennzeichnete Lebensmittel, um Verbraucher zu schützen. Diese Kennzeichnung automatisiert nun die GUS-OS Suite, die ERP-Lösung der GUS Group. Das neu designte Modul „GUS-OS Produktdatenmanagement“ trägt alle relevanten Informationen zur Produktdeklaration automatisiert zusammen und berechnet sie.

WEITERLESEN »

Datenmanagement bei ERP- und CRM-Systemen

An zu wenig Daten liegt es nicht: Unternehmen verfügen heutzutage über nahezu unerschöpfliche Datenquellen – sei es aus den selbst betriebenen ERP- und CRM-Lösungen oder aus externen Systemen. Auch stehen mittlerweile ausreichend intelligente Technologien und Anwendungen zur Verfügung, die Daten in Echtzeit verarbeiten können. Doch der gewünschte Mehrwert stellt sich nur dann ein, wenn die verfügbaren Informationen ausreichend qualitätsgesichert sind. Worauf kommt es dabei an?

WEITERLESEN »

Agiles Change-Management in der Lebensmittelindustrie

Wenn wie zuletzt plötzlich Restaurants und Großküchen als Abnehmer wegfallen, bedeutet dies für Lebensmittelhersteller nicht automatisch Produktionsrückgänge und Umsatzverluste. Der Absatz verlagert sich oft nur – etwa in die heimische Küche. Je resilienter ein Unternehmen aufgestellt ist, umso flexibler kann es mit solchen rapiden Richtungswechseln umgehen.

WEITERLESEN »

Vom Papierdurchschlag zur Bestell-App

Der Obst- und Gemüse-Großhändler Albert Schmidt GmbH bietet seinen Kunden die mobile Bestell-App „TradingHub“ an. Sie kommt bei den Kunden sehr gut an, während der Großhändler dadurch viel Zeit und Aufwände einspart. Die Einrichtung gelang im Handumdrehen, da die App mit dem Warenwirtschaftssystem WinAB von Brückner integriert ist.

WEITERLESEN »