ERP-Systeme im Wandel - GUS Deutschland GmbH

ERP-Systeme im Wandel

Februar 2019 | Allgemein

von Dirk Bingler

Flexibilität und eine hohe Anpassungsfähigkeit – Unternehmen, die diese Voraussetzungen nicht erfüllen, haben in Zeiten der Digitalisierung oft das Nachsehen. In der Folge steigen auch die Anforderungen an ihre IT und insbesondere an die ERP-Systeme: Die Nutzung von Services aus der Cloud, mobile Anwendungsmöglichkeiten und die Einbindung von Künstlicher Intelligenz (KI) sind heute ebenso gefragt wie höchste Sicherheitsstandards und benutzerfreundliche Oberflächen.

Mobile Einsatzmöglichkeiten von ERP-Systemen sowie cloudbasierte Ansätze sind für mehr als ein Drittel der Anwenderunternehmen heute die wichtigsten Trends beim Einsatz von betriebswirtschaftlicher Standardsoftware – das ist ein zentrales Ergebnis der Trovarit-Studie „ERP in der Praxis 2018/2019“, für die das Analystenhaus gemeinsam mit Partnern rund 2.200 Geschäftsführer, IT-Leiter und ERP-Fachverantwortliche zur Nutzung ihrer ERP-Systeme befragt hat. Wirklich überraschend ist das nicht. Denn für die zunehmende Vernetzung von Prozessen – insbesondere über Unternehmensgrenzen hinweg – sind flexible ERP-Systeme mit einer hohen Integrationsfähigkeit Voraussetzung. Statt starre Suiten fragen Unternehmen daher heute smarte ERP-Services nach, die sich je nach Anforderung problemlos miteinander kombinieren lassen. Dabei müssen die Anwendungen nicht nur miteinander, sondern auch mit mobilen Endgeräten, externen Apps oder Maschinen kommunizieren. Dafür sind offene ERP-Lösungen notwendig, die sich via Cloud mit anderen Systemen verbinden lassen.

In diesem Zusammenhang wird auch die Rolle von digitalen Plattformen immer wichtiger: ERP-Anbieter können darüber ihre eigenen Lösungen um Funktionalitäten aus der Cloud (z. B. durch Services für IoT oder KI) ergänzen oder sie bieten dort selbst einzelne Module als Service an. Der Vorteil: Die Lösungen sind immer up to date, teure und aufwendige Release-Wechsel gehören der Vergangenheit an. Dazu kommt, dass die Hersteller sich durch diese „Arbeitsteilung“ zwischen Basistechnologie und Funktionaliät wieder mehr auf ihre Kernkompetenzen – wie zum Beispiel die Abbildung ihres Branchen-Know-hows in der Lösung – konzentrieren können, wovon letztlich auch die Nutzer profitieren.

Sicherheit hat oberste Priorität

Eine große Bedeutung hat für ERP-Nutzer auch die Sicherheit ihrer Systeme: Für 55 Prozent der Studienteilnehmer steht dieses Thema ganz oben auf der Prioritätenliste. Zu Recht. Denn mit der zunehmenden Vernetzung wird die Angriffsfläche für Hacker immer größer. Vielen CIOs bereitet es daher auch immer noch Bauchschmerzen, ERP-Systeme oder -Funktionalitäten aus der Cloud zu beziehen oder interne Systeme zum Internet hin zu öffnen. Anbieter müssen daher sicherstellen, dass die von ihnen verwendeten Technologien weltweiten Sicherheitsstandards entsprechen und regelmäßig an sich verändernde Bedrohungen angepasst werden.

Den Königsweg für viele Unternehmen stellen hybride Modelle dar. Diese bieten die Flexibilität einer Cloud-Lösung, ohne dass die Firmen die Kontrolle über ihre kritischen Daten abgeben müssen. Ein Beispiel ist der „Digital Hub“ der GUS Group – ein Cloud-Service, mit dem Anwenderunternehmen ausgewählte Dienste und Funktionen ihrer ERP-Lösung nach außen über die Cloud publizieren, ohne dabei sensible Stamm- oder Bewegungsdaten aus der Hand zu geben. Die Lösung verbindet ausgewählte Daten und Prozesse des ERP-Systems mit Maschinen, mobilen Anwendern, externen IT-Systemen oder Cloud-Services auf der ganzen Welt, ohne dass ein Unternehmen dazu in Integrationslösungen investieren muss. Eine Öffnung der Unternehmensfirewall nach außen ist für den Datenaustausch zwischen ERP-System und der digitalen Außenwelt damit nicht mehr erforderlich.

Wachstumsmarkt Künstliche Intelligenz

Ein wesentlicher Aspekt im Zusammenhang mit ERP-Systemen ist die Einbindung und Nutzung Künstlicher Intelligenz (KI). Der Digitalverband Bitkom schätzt auf Grundlage der Studie „AI in Europe – Ready for Take-off“, dass der europäische Markt für KI von rund drei Milliarden Euro in diesem Jahr auf bis auf 10 Milliarden Euro im Jahr 2022 wachsen wird. „Es gibt inzwischen ein breites Angebot an marktfähigen Lösungen, die Künstliche Intelligenz nutzen. Es reicht von Software-Tools, die für Sprach- oder Bilderkennung genutzt werden können, über fertige Lösungen etwa für Chatbots zur Kundenberatung bis zu komplexen Anwendungen, mit denen sich personalisierte Mailings fast ohne menschliches Zutun versenden lassen“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder.

Big Data als Basis

Auch die Fertigungshallen hat KI inzwischen erreicht: Dank Predictive Maintenance „weiß“ die Produktionsanlage heute schon von möglichen Problemen, bevor diese überhaupt auftreten. Sensoren sammeln dazu kontinuierlich Daten und werten sie in Echtzeit aus. Bei Unregelmäßigkeiten sendet das System umgehend eine Warnmeldung an die Instandhaltung, wo das betroffene Ersatzteil bestellt und ausgetauscht wird – und zwar noch bevor das alte nicht mehr funktioniert.

Die Voraussetzung für derart umfangreiche Analysen und Prognosen sind große Mengen an Daten (Big Data). ERP-Systeme sind heute in der Lage, strukturierte Informationen zu speichern, zu verarbeiten und sinnvoll in bestehende Abläufe einzubinden. Aufgrund der Digitalisierung verändert sich dabei die Art der Daten: Während Unternehmen früher überwiegend strukturierte Informationen verarbeiten mussten, sind es heute immer mehr unstrukturierte Daten – beispielsweise Kundenfeedback aus Social Media-Kanälen oder Sensordaten aus der Produktion. Neben der Cloud, über die Unternehmen Rechen- und Speicherleistung flexibel „einkaufen“ können, helfen Technologien wie NoSQL- oder In-Memory-Datenbanken dabei, ERP-Lösungen fit für maschinelles Lernen zu machen.

Auch bei ganz klassischen betriebswirtschaftlichen Prozessen werden Formen der Künstlichen Intelligenz und des maschinellen Lernens künftig unverzichtbar sein. Mit Hilfe strukturierter Daten aus dem ERP-System wird fortlaufend ein KI-System trainiert, um automatisch Zusammenhänge und Muster zu erkennen. Mit dem erstellten Modell lassen sich die ERP-Daten in Echtzeit analysieren. Ziel ist es, auf diese Weise künftige Ereignisse besser vorherzusagen. Schießlich kommt KI aber auch bei der Automatisiserung von Abläufen, z.B. in der Buchhaltung zum Einsatz: Statt beispielsweise manuell Rechnungen zuzuordnen, erlauben es smarte Anwendungen heute bereits, Dokumente nicht nur automatisch zu erfassen, sondern auch zu interpretieren und richtig zu verbuchen. Moderne ERP-Systeme sollten daher entweder selbst entsprechende Funktionalitäten mitbringen oder so beschaffen sein, dass sie KI- und Predictive Analytics-Anwendungen integrieren und deren Ergebnisse nahtlos weiterverarbeiten können.

Usability im Fokus

Apps und Soziale Medien, wie Twitter, LinkedIn oder Facebook, aber auch die Erfahrung mit der einfachen (mobilen) Nutzung von Software per Tablet oder Smartphone führen dazu, dass Nutzer auch von anspruchsvoller Business Software eine moderne, übersichtliche Oberfläche erwarten, mit der sich die Anwendungen intuitiv und einfach bedienen lassen. Nach der Trovarit-Studie halten 37 Prozent der Unternehmen die Software-Ergonomie einer ERP-Anwendung daher für sehr relevant. Einige ERP-Lösungen bieten beispielsweise heute die Möglichkeit, Benutzeroberflächen individuell zu konfigurieren. User können dann ihre persönlichen aufgabenbasierten Ansichten erstellen oder individuelle Layouts konfigurieren. Auch die User Experience in der Produktion wird sich den Konzepten moderner IoT-Anwendungen anpassen müssen. Hier spielen die Spracheingabe oder Visualisierungen mittels Augmented Reality (AR) und Virtual Reality (VR) eine zunehmend wichtige Rolle. Aber auch die Kommunikation via Chatbots und Sprache wird künftig ein Bestandteil des Nutzererlebnisses von ERP-Anwendungen sein.

Auch wenn die Digitalisierung die ERP-Welt nicht von heute auf morgen auf den Kopf stellt: Die anstehenden Veränderungen sind gravierend. Anbieter sollten ihre Systeme daher kontinuierlich prüfen und ihre Entwicklungsplanung an den Anforderungen der digitalen Zukunft ausrichten.

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